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Brauchen wir einen Lernturm in unserem Zuhause? Diese Frage stellte ich mir oft, als Cosima noch ein Krabbelkind war und ich immer wieder auf Fotos mit freudestrahlenden Kindern, die auf ihren Lerntürmen stehend Küchentätigkeiten verrichteten sowie unzählige DIY Tutorials auf diversen Elternblogs stieß. Ich überlegte hin … und her … und hin … und her … Um mir besser vorstellen zu können, wie es wohl für mein Kind ist, versuchte ich mich einfach in seine Lage zu versetzen und stellte mir folgende Frage: Möchte ich beim Kochen oder Backen auf einem Hocker stehen? Meine spontane Antwort: Nein!!! Ich möchte mit beiden Beinen fest auf dem Boden stehen. Weshalb? Ich möchte mich frei in der Küche hin und her bewegen können. Ich möchte mir schnell aus einem anderen Küchenschrak das holen, was ich gerade brauche und nicht erst die “Leiter” hinunter klettern und anschließend wieder hinauf klettern müssen. Ich möchte meinen Teig mit beiden Händen so richtig kneten und dazu fest am Boden stehen und nicht Angst haben müssen jede Sekunde umzukippen. Ich möchte mich nicht beengt fühlen. Ich möchte Freiraum für die Bewegungen meiner Arme und meines Oberkörpers haben. All diese Gedanken kamen mir sogleich in den Kopf.

Kueche Oma Stuhl zum Kochen

Aber … ich war doch auch einmal Kind. Wie war das damals? Einen Lernturm gab es nicht. Meine Oma kochte täglich für unsere ganze Familie. Ich erinnere mich ganz genau daran und habe, während ich diese Zeile tippe, den Duft von angerösteten Zwiebeln und Speck in der Nase, von dem ich ungeheuer gerne naschte. Ich wollte immer sehen, was sie dort oben macht. Ich fand es ungeheuer spannend und interessant. Ich weiß, dass mich meine Oma beim Kochen immer miteinbezog: Als ich noch klein war, so etwa im Alter von eineinhalb Jahren, setzte sie mich einfach auf die Küchenzeile, sagte mir, dass ich vorsichtig sein muss, weil alles ganz heiß ist und ließ mich ihr zusehen. Dann stellte sie mir irgendwann einfach einen Stuhl hin, auf den ich hochklettern konnte, um „richtig“ mit zu kochen. Ich liebte diese Stunde mit Oma in der Küche. Es kommt mir vor, als wäre es gestern gewesen … Je größer ich wurde, desto mehr Aufgaben durfte ich übernehmen. Es war toll! Ich freute mich immer und war ungeheuer stolz, wenn allen mittags das Essen schmeckte, das ICH mit Oma kochte.

Ich stand also auf einem Stuhl – ohne Kipp- und Rausfallschutz. Und es war großartig! Ich fühlte mich nicht beengt oder hatte Angst umzukippen. Ich war einfach Kind! Ich fühlte mich groß! Und wichtig, und wertgeschätzt! Vielleicht hat der ein oder andere von euch ähnliche Kindheitserinnerungen wie ich. Ja, es war eine andere Zeit, aber dennoch geht es letztendlich um die Frage, ob es einem Kind gefällt in der Küche auch einmal auf Erwachsenenhöhe zu sein oder nicht. Ich für mich kann diese Frage nur bejahen. Und deshalb kam ich zu dem Entschluss, dass wir doch einen Lernturm für unser Kind bauen – einen mit Rausfallschutz, der einigermaßen stabil steht, den wir ganz bewusst einsetzen werden.

Unweigerlich stellte ich mir auch die Frage, wie sicher denn so ein Lernturm ist und was sicher für mich überhaupt bedeutet. Dass ein Kind bei ordnungsgemäßem Gebrauch nicht herausfallen kann? Aber was ist ordnungsgemäß? Es liegt wohl im Auge des Betrachters und ist wirklich unheimlich schwierig diese Frage zufriedenstellend zu beantworten. Ich kann euch aus unserer Erfahrung sagen, dass ein Lernturm natürlich auch seine Risiken birgt. Denn diesen kann man als Kleinkind ja auch super mit vollem Körpereinsatz verschieben – besonders dann, wenn die Mama für drei Sekunden den Raum verlässt, um Gemüse aus der Vorratskammer zu holen. Dann steht der Turm samt Kind oben drauf plötzlich am Herd, wo gerade das Nudelwasser aufkocht. Man kann natürlich auch mal testen, wie toll es sich darauf klettern lässt und wie hoch die Küchenarbeitsfläche der Mama tatsächlich so ist. Oder ob man mit dem Lernturm wohl genauso gut wippen kann wie mit den Wipptieren am Spielplatz? Ja, dies alles und noch viel mehr kann einem so in den Sinn kommen, wenn man Kleinkind ist. Generell ist man aber als Erwachsener ja vor Ort und kann sein Kind vor Unfällen schützen beziehungsweise dementsprechend vorbeugen. Beim Gang zur Vorratskammer und eingeschaltenem Herd lässt man sich einfach vom Kind begleiten: „Komm, ich brauche bitte deine Hilfe! Begleite mich in die Vorratskammer und hilf mir beim Tragen der Karotten!“ Hat das Kind das Bedürfnis zu klettern, baue ich ihm das Pikler Dreieck auf oder bespreche, dass wir nach dem Essen gleich zum Spielplatz gehen und dort auf den Klettergerüsten die Möglichkeit besteht zu hangeln, zu klettern und zu turnen. Ebenso mache ich es mit dem Wippen. Es liegt also an mir, wie ich mit all diesen Situationen umgehe. Bei uns ist inzwischen klar, wofür der Lernturm ist und wofür eben nicht.

Ich entschied mich persönlich also schließlich doch für einen Lernturm in unserem Zuhause. Die Frage „Lernturm ja oder nein?“ lässt sich aber für mich definitiv nicht allgemein beantworten, da hierbei viele Faktoren eine Rolle spielen. Es die Entscheidung jedes Einzelnen und vor allem jeder Familie, ob ein Lernturm das Richtige für das jeweilige Kind ist und in dessen Zuhause passt oder nicht.

Solltet ihr selbst einen Lernturm bauen wollen, so verzichte ich an dieser Stelle auf eine weitere Bauanleitung, da es bereits unzählig viele, tolle DIY Beiträge zu Lerntürmen online gibt. Habt ihr keine Zeit, Lust oder Muse selbst zu bauen, so habe ich euch hier eine kleine Auswahl an Lerntürmen zusammengestellt:

Lerntürme im Handel1. BOMI® Vario Lernturm Swubi* aus Holz ist ein mitwachswender Lernturm, bei dem sich der obere Teil vom Stufenhocker einfach demontieren lässt, wenn er nicht mehr erforderlich ist

2. MOKA W 2.0 Lernturm* mit seitlichen Wänden für mehr Sicherheit und Stabilität

3. Little Partners Learning Tower* ist ein qualitativ sehr hochwertig verarbeitetes Produkt, das über vier Höheneinstellungen sowie die Möglichkeit die Seitenteile abzumontieren verfügt und äußerst stabil steht

4. Kinderküchenhelfer* aus Massivholz mit dreifach verstellbare Stufen sowie Eingrifflöcher für den leichten Transport

5. Learning Tower Montessori LT3 W EVO* ist passt mit seinem schlichten Design in jedes Zuhause

6. Lernturm by Deskiturm®* wird in Norddeutschland gefertigt und verfügt über eine zusätzliche Rausfallschutzstange, ist naturbelassen, unbehandelt und wird bereits fertig montiert geliefert

Abschließend lässt sich sagen, dass es Argumente für und gegen die Anschaffung eines Lernturms gibt. In unserer Familie überwiegt die Proseite, weshalb der Lernturm aus unserem Alltag auch nicht mehr wegzudenken ist. Unser „Hocker“, wie Cosima ihn nennt, hat uns schon viele schöne Familienmomente in der Küche beschert und ist fester Bestandteil unseres morgendlichen Küchen-Kaffeeklatsch-Rituals, von dem ich euch in einem meiner letzten Posts über unsere Montessori Kinderküche berichtete. In einem meiner nächsten Blogposts zeige ich euch unseren „Hocker“ in vollem Einsatz. Ich freu mich auf euch!

P.S.: Ein Lernturm kann viele Funktionen übernehmen. Er eigent sich in den Augen meiner Tochter auch prima als Trockenständer für diverse Kunsterzeugnisse. 😉

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